WIR. HIER UND JETZT. Band I + II

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Geflüchtete Menschen berichten

Beschreibung

Weil heute nicht mehr selbstverständlich ist, was einst selbstverständlich schien, ist es ange- bracht, diese beiden Bände mit diesem banalen Satz einzuleiten: Flüchtlinge sind auch nur Menschen!

Nicht einmal in sogenannten christlich-demokratischen oder konservativ-bürgerlichen Parteien wird die unantastbare Würde des Menschen (die übrigens auch keine Obergrenzen kennt) noch als Maßstab der Politik verstanden. Wir erleben, wie sich eine Bundesregierung demonstrativ kaltschnäuzig auf dem Rücken geflüchteter Menschen zu profilieren versucht. Beim Blick nach Deutschland sehen wir, wie der Bundesminister des Innern (zuständig auch „für Bau und Heimat“) das von seinen österreichischen Freunden entwickelte Programm der hässlichen Bilder dort ebenso kaltschnäuzig abkupfert. Wir beobachten, wie im Nachbarland Ungarn die Menschenrechte mit Füßen getreten und in Polen die Institutionen des demokratischen Rechtsstaates handlungsunfähig gemacht werden, auf dass die Würde des Menschen wieder antastbar werde. Fast überall in Europa werden Flüchtlinge als Wirtschaftsmigranten, als Sozialbetrüger, als Invasoren, als Flüchtlingswellen entmenschlicht. Im Mittelmeer lässt man sie zu Hunderten und Tausenden ertrinken. Großräumig werden moralische Hemmschwellen abgesenkt. Rassistische Äußerungen und Angriffe werden häufiger und auch geduldet. Seit Rechtsextreme Ende August in Chemnitz unter den Augen der Polizei Jagd auf Andersaussehende gemacht haben, sieht sich ausgerechnet das vorgebliche Musterland Europas mit einer Frage konfrontiert, die man in diesen Breitengraden noch im Juli als unerhört von sich gewiesen hätte: „Regiert der Mob?“

Und trotzdem: Es ist in erster Linie dem Engagement der Zivilgesellschaften unserer euro- päischen Länder zu verdanken, dass viel Gutes geschafft wurde, seit Angela Merkel ihr Bon- mot in die Welt gesetzt hat. Vieles bleibt noch zu tun. Und einiges wäre schon erreicht, wenn das wohlfeile Geschwurbel von der „gelungenen Integration“ – der Einfachheit halber gerne als Anpassung an und Eingliederung in die Mehrheitsgesellschaft verstanden – durch die Erkenntnis ersetzt würde, dass Einwanderungsgesellschaften in dem Maß an Resilienz und Stärke gewinnen, in dem sie Einwanderer – egal, ob Migrantinnen oder Geflüchtete – nicht in erster Linie als pflege- und obsorgebedürftige Objekte, sondern als denkende, schaffende, kreative, handelnde und somit politische Subjekte akzeptieren. Denn: „States make refugees, but refugees also make states.“ (…)

Über 400 Berichte sind in diesen beiden Bänden gesammelt. Jeden dieser Berichte hat ein einzelner Mensch geschrieben. Mit einem Stift in einem Heft notiert. Jeder Text steht für einen Menschen. Jeder Mensch hat seine Geschichte. Jede Geschichte ist ein Zeugnis. Jede Geschichte beschreibt ein Leben. Jede Geschichte ist die eines Individuums. Weit und breit keine Flüchtlingswelle. Kein Flüchtlingsstrom. Keine Lawine. Kein Tsunami. Einfach einzigartige Menschen mit ihrer jeweils einzigartigen Geschichte. Würde, nicht Masse.

Aus: Eine Einführung von Ernst Schmiederer

 

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